Offen gestanden, grüner wird’s nicht
Bild-Redakteur Timo Friedmann testet den ersten deutschen Roadster, der nur mit Strom fährt.
Er riecht nicht nach bleihaltiger Luft, er kann an jeder Tankstelle vorbeiziehen, und das so geräuschlos wie eine Wolke. Nur sein betagtes Blechkleid erinnert daran, dass dieser stille Benzinverächter ein Auto ist - und was für eins! Der Irmscher 7 Selectra ist wohl der modernste Sportwagen Deutschlands. So grün, grüner geht's nicht. Und damit ist nicht die Farbe der Karosseriegemeint. Aber da wir schon mal dabei sind: Sie klappert, wenn der Irmscher über Gullideckelrollt und der Wind diese kantige Blechzigarre bei 70, 80 km/h umfaucht.
Die Basis eignet sich ja auch perfekt: Der Wagen ist leicht, wiegt als Benziner 720 Kilo, mit Elektromotor und Batterien nur 62 Kilogramm mehr. Das Gewicht spielt die Hauptrolle, wenn's um die Reichweite der Batterien geht. Zwischen 200 und 370 Kilometer weit soll der Irmscher 7 Selectra den Fahrer bringen, je nachdem, wie sehr der das Pedal durchdrückt. Nach der zweistündigen Probefahrt durchdie sehr grüne Landschaft Baden-Württembergs können wir sagen: Viel länger hält man es pro Tag in dem Wagen ohnehin nicht aus. Klar, es ist ein Erlebnis, das Strompedal durchzutreten und in unhörbaren vier Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen.
Der Wind fegt mir über die kurz geschorene Kopfhaut, meine Knochen werden von der straffen Federung durchgezählt. Es ist an Sommertagen eine Frischzellenkur. Ja, eine Runde Irmscher macht zehn Jahre jünger.Von jünger zu Junge, Junge ist es nur ein Pedaltritt: 186 km/h Spitze schafft der Irmscher 7 Selectra mit seinem 238-PS-Elektromotor. Und viel schneller muss und will man in so einer seifenkistenartigen Klapperkiste auch gar nicht unterwegs sein. Für Komfort und Sicherheit ist in diesem Irmscher kein Platz. Dafür gibt es Hightech satt beim Energie-Management: Um keinen Strom in solche Sachenwie Heizung fließen zu lassen, werden die beiden Insassen von einer Infrarot-Heizung in der Scheibe gewärmt.Doch nach zwei Stunden Wind, Geruckel und enger Sitzposition ist der Jungbrunnen erschöpft. Meine Akkus sind leer, die Batterien des Irmscher noch nicht. Und selbst wenn: Das Nachladen dauert kaum länger als ein ausgiebiges Mittagessen in den Weinbergen, mit anschließendem Verdauungsspaziergang. In Zahlen: Nach drei Stunden stehen 80 Prozent der Ladeleistung wieder bereit. Und der Irmscher 7 Selectra selbst soll ab Ende des Jahres bereitstehen, für etwa 90 000 Euro. Als Benziner wäre er 44 100 Euro billiger - aber eben auch ungrüner.